...begann die Flutkatastrophe in Sachsen! Hier meine Erinnerungen an diesen Tag:
Der Wetterbericht meldet ausgiebigen Starkregen... was man sich darunter vorzustellen hat, merke ich schon auf meiner Fahrt aus dem Erzgebirgs-Vorland nach Dresden: Der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren, und an einigen Stellen ist die Straße schon überspült.
Es ist Montag und mein Chef im Urlaub – das heißt Großeinkauf in der Metro für die
BrennNessel, in der ich arbeite. Ich lade also das Auto noch mal mit Waren für mehrere hundert Euro voll, nicht ahnend, dass wir zwei Wochen später dieses und noch mehr in einem unsäglichen Zustand aus unbeschreiblich zugerichteten Räumen entsorgen müssen.....!
Ab 13 Uhr wird der Gaststättenbetrieb immer wieder durch eindringendes Wasser aus dem Küchenabfluss gestört, statt zu kochen beschäftigt sich der Koch mit Wundern und Schadensbegrenzung! Der Himmel senkt sein graues Dach immer tiefer über uns und es regnet weiterhin in Strömen.
Am Nachmittag dringt plötzlich Wasser unter dem Tresen hervor! Warum? Woher? Was tun???
Alle verfügbaren Leute werden zum Wischlappen schwingen verdonnert und ich schließe die Gaststätte. Wir müssen das Parkett retten!
Ein Bekannter ergattert im nächsten Baumarkt eine der letzten käuflich zu erwerbenden elektrischen Pumpen in diesen Tagen und versucht, den inzwischen sich mit Wasser füllenden Keller leer zu bekommen – ein relativ hoffnungsloses Unterfangen mit so einer kleinen Pumpe!
Am frühen Abend scheint es aber zumindest im Gastraum geschafft zu sein: Die Wasserlachen sind beseitigt und ringsum macht sich Erleichterung, aber auch Erschöpfung breit. Es hat aufgehört zu regnen, der Spuk ist vorüber! Also: Feierabend für alle! Der Koch bietet sich freiwillig als Wache an und will in der Gaststätte übernachten. Ich fahre zu meinem Freund nach Dresden-Löbtau und gehe ins Bett und schlafe........bis gegen 1 Uhr mein Handy klingelt! Der Koch: „Hier läuft überall das Wasser rein....!“ Ich springe auf und fahre hin, werde aber ein ganzes Stück vor der Kneipe unfreiwillig gestoppt: Der Platz ist komplett überflutet! Nach einem weiteren Anruf („Fahr zurück, hier ist alles zu spät!“) komme ich mit Ach und Krach wieder nach Löbtau. Dieser Stadtteil ist am nächsten Morgen quasi von der Außenwelt abgeschnitten: Die Weißeritz konnte die Wassermassen aus dem Gebirge und der Talsperre Malter nicht mehr fassen, sprang über die Ufer und suchte sich ihr altes Flussbett - genau die Hauptzufahrtsstraße zum Stadtzentrum und zum Hauptbahnhof!
Nach einer durchwachten Nacht voller Angst stehe ich am Morgen des 13. August an der Brücke über die Weißeritz, die Straße ein reißender Fluss, jede Menge fotografierende Menschen. Ich bin entsetzt und fassungslos und unfähig irgendein Foto zu machen - das mache ich dann erst später.
Zwei Wochen steht die „brennNessel“ unter Wasser – nach der Weißeritz kommt auch noch die Elbe und lässt den Pegel noch ein wenig höher steigen. Danach empfängt uns eine Wüste aus Schlamm, Schmutz und Gestank! Dank vieler fleißiger Helfer schaffen wir das in diesen Tagen scheinbar Unmögliche: Die „brennNessel“ kann schon im Oktober wieder öffnen – wenn auch nur in provisorischen Räumen gegenüber der Gaststätte. Ein Jahr später ziehen wir dann wieder in die alten Räume, die jetzt schöner als vorher sind!