...oder "Jaeger und Sammler".....
Im Leben eines jeden halbwegs erwachsenen Mannes gibt es Situationen, in denen mann sich reichlich daemlich vorkommt - und meisst auch noch zurecht. Egal wie viel Muehe man sich gibt - von Zeit zu Zeit macht man sich einfach laecherlich und kann nur hoffen dass es niemand merkt....
Dabei fing alles ganz harmlos an....vom Wohnzimmerfenster des elterlichen (und in einer sehr laendlichen Gegend gelegenen) Hauses sah ich etwas Rotwild (mind. 2-3 Rehe oder aehnliches) in geringer Entfernung am Rande eines Maisfeldes friedlich vor sich hinkaeuen. Aus alter Erfahrung wusste ich, dass die Brennweite meines Objektivs nicht reichen wuerde um die scheuen Damen stilgerecht in Szene und auf den Sensor zu setzen und angetrieben von kindlichem Leichtsinn und zuviel Energie durch den gerade verbuessten Urlaub stand also fest: ICH MUSS NAEHER RAN - UND ZWAR EIN BISCHEN PLOETZLICH! Soviel zum harmlosen Teil...
Zuerst schnappte ich mir meine geliebte Kamera - ohne gehts ja nicht und fuer weitere groessere Ausruestung hatte ich nicht viel Zeit. Praktischerweise war ich ob des warmen Wetters der letzten Tage gerade Barfuss unterwegs was mir das umstaendliche und zeitintensive Anlegen situationsgerechten Schuhwerks ersparte und so nahm ich mir nur die zwei Sekunden um die Jeans etwas hochzurollen. Beim Weg hinaus stach mir noch mein rotes man-sieht-nicht-dass-es-Heute-in-der-Mensa-Spaghetti-mit-Tomatensauce-gab-Tshirt ins Auge, das sicher farblich hervorragen mit der hauptsaechlich gruenen Vegetation draussen harmonieren wuerde aber jetzt in diesem moment eher Overdressed war. Zum Umziehen war natuerlich auch keine Zeit (und Lust) - und um der Oeffentlichkeit und der oertlichen Fauna meinen blanken, blassen Adonisoberkoerper zu ersparen musste die olivgruene Tarnweste die da gerade rumhing zur Verbesserung meiner optischen Umweltvertraeglichkeit herhalten.
Cardinal auf der Jagd: So stapfte ich also, in meiner Tarnweste und mit der Kamera im Anschlag, barfuss wie ein Indianer und anmutig wie eine Gazelle (das Tier mit dem Ruessel) so lautlos wie moeglich durch das eiskalte, regennasse und ausgiebig von Nacktschnecken frequentierte Gras in der Hoffnung meine Ziele fruehestens mit dem Verschlussgeraeusch der Kamera zu verschrecken. Aus etwa 20m Entfernung und der Deckung eines Busches und anderweitigen Gruenzeugs entsicherte ich den Zoomring und schoss drei ueberaus unterdurchschnittliche Fotos die mir nur sagten "If your pictures aren't good enough, you're not close enough!"*. Also naeher ran! Mit meiner pantherhaften Agilitaet schaffte ich es noch ungefaehr weitere 3m durchs nasse Gras bis sich die Rothaeute entschlossen, das Shooting mit einigen schnellen Spruengen ins Maisfeld abzubrechen.
Ergebnis: Nasse, eiskalte und dafuer auch noch schmutzige Fuesse, das Gefuehl sich gerade zum Idioten gemach zu haben** und genau 0 brauchbare Bilder
So brach ich denn die Jagd ab, sammelte meine alten Knochen wieder ein und schlich hoffentlich unauffaelliger als auf dem Hinweg zurueck ins Haus....
*) Zitat: Robert Capa - Fotograph und Kriegsberichterstatter
**) Schon Gewohnheit aber immer wieder ein Erlebnis
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Lars pro says:
Ich fuhr vor ein paar Tagen mit dem Auto über einen Feldweg durch ein kleines Tälchen als meine Freundin vom Beifahrersitz her einen Rotfuchsdings am Waldrand meldete. Den wollte ich natürlich sensorisieren also rauf auf die Bremse, raus aus dem Auto und Kofferraum auf. Da war die Kamera drin ;)
Wegen dem (von Dir oben erwähnten) Entfernungs-Problem wollte ich das aufgeflanschte 18-55er schnell durch ein 80-320er ersetzen .... was ich dann auch flinken Fingers tat :D Dann Kamera anschalten, anlegen, zielen und ....................... durch den Sucher sehen, wie das Rotfuchsdings im Wald verschwindet :(
Deswegen heißen die Wildtiere auch "Wildtiere". Weil sie ständig wie angestochen wild vor unseren Kameras fliehen. Miststücke!
Gruss ;)
Lars edited this comment 2 months ago.